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 Yahoo flüchtet in die Arme von Google

Wirtschaft | 14.06.2008, 16:26
Verhandlungen um die Übernahme von Yahoo durch Microsoft sind vom Tisch — nicht aber die operativen Schwierigkeiten bei beim zweitwichtigsten Suchmaschinenbetreiber, mit seinem Geschäft auch angemessen Geld zu verdienen. Nicht nur aus diesem Grund hat sich Yahoo wohl dazu entschieden, mit dem offensichtlich schärfsten Konkurrenten gemeinsame Sache zu machen. Frei nach dem Motto "wenn du deinen Feind nicht besiegen kannst, mach ihn dir zum Freund" wollen sich beide Suchmaschinen in Zukunft das Werbegeschäft teilen. Ein herber Rückschlag für Microsoft, die sich damit einem noch stärkeren Gegner gegenüber sehen.

Konkret beinhaltet die Partnerschaft die Möglichkeit beider Seiten, jeweils Werbeanzeigen des Anderen einzubinden, wenn sie im Auktionsverfahren um die besten Plätze gewinnen. Dadurch erhofft sich Yahoo einen Umsatzzuwachs von rund 800 Millionen US-Dollar im Jahr, was bei 6,9 Milliarden US-Dollar in 2007 einem Plus von 10 Prozent entspräche. Gleichzeitig soll der operative Cashflow mit 250 bis 350 Millionen US-Dollar um rund ein Viertel zulegen, was Yahoo zum Beispiel größere Freiräume für weitere Investitionen eröffnet.

Für Microsoft ist die Entscheidung besonders bitter, hatte der Software-Riese mit seinem letzten Angebot von rund 9 Milliarden US-Dollar für einen Yahoo-Anteil von rund 16 Prozent und jährlichen Zahlungen von einer Milliarde US-Dollar auf den ersten Blick das finanziell bessere Angebot vorgelegt. Für Yahoo stand dieses Geschäft aber wohl vor allem deswegen auf dem Spiel, weil man um den großen Einfluss des Unternehmens besorgt war.

Auswirkungen auf die Entwicklung von Yahoo

Wie sich die Partnerschaft mit Google nun auf die Zukunft von Yahoo auswirkt, bleibt vorerst abzuwarten. Das Abkommen ist nicht exklusiv und eröffnet auch weiteren Interessanten die Möglichkeit, sich an dem Werbeplatz-Tausch zu beteiligen. Dadurch sichert sich Yahoo seine Unabhängigkeit und kann weiterhin Entscheidungen ohne die Mitsprache von Dritten fällen.

Die Kernprobleme des Unternehmen sind damit jedoch noch nicht vom Tisch. Seit Jahren schlägt sich der einstige Branchen-Primus mit stagnierenden Besucherzahlen und rückläufigen Marktanteilen herum. Der Gewinn mit mit Werbeanzeigen erreicht bei weitem nicht die Rendite, die Google durch seine unangefochtene Stellung erzielen kann. Die Innovationskraft des Unternehmens hat ebenfalls spürbar nachgelassen und wirkt sich auf die wichtige Präsenz in der Öffentlichkeit aus.

Besonders in Europa sind die Marktanteile unterirdisch und lassen auf absehbare Zeit kaum Hoffnung auf Besserung. Gleichzeitig ist man durch den großen Anteil im US-amerikansichen Markt extrem von der dortigen Konjunktur abhängig, die nur in guten Zeiten auch starke Investitionen in Werbung und Marketing verspricht. Es wird also Zeit, dass Yahoo sich auf seine kreativen Zeiten zurückbesinnt und Luft holt für neue innovative Geschäftsideen.
[rl]




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