Das japanische Unternehmen Renesas steigt aus der Halbleiterfertigung in Deutschland aus. Das Gemeinschaftsunternehmen von Hitachi und Mitsubishi Electric, das ein bedeutender Hersteller von Chips für Smartkarten und Microcontroller ist, verkauft die frühere Hitachi-Fab im niederbayerischen Landshut, die ihm vor fünf Jahren bei der Gründung von Renesas zugeschlagen wurde, an die Firma Silicon Foundry Holding (SFH). SFH mit Sitz im oberbayerischen Erding ist eine neue Ausgründung zweier Fab-Manager, dementsprechend unklar ist auch die Zukunft der Fab und ihrer Mitarbeiter. Klarer sind dagegen die Gründe für den Rückzug seitens Renesas.
Laut Renesas-Angaben ist die Fab schlicht zu alt für die Produktion zeitgemäßer Chips für die typischen Renesas-Kunden. Insgesamt betreibt Renesas bzw. vorher Hitachi den Fertigungsstandort Landshut seit 28 Jahren. Hier wurden in dieser Zeit Wafer in 0.35-Micron-, 0.25-Micron- und 0.18-Micron-Technologie gefertigt. Diese Strukturgrößen sind heutzutage selbst für den Anwendungsbereich der Smartkarten nicht mehr zeitgemäß, weswegen die Auslastung stetig zurückging.
SFH will nach eigenen Aussagen Kleinserien von Analog Mixed Signal Schaltungen für den lokalen Markt herstellen und verspricht sich davon eine positive Entwicklung. Man wird sehen, inwieweit der Plan aufgeht und ein Fortbestand der Arbeitsplätze längerfristig gesichert werden kann. Die Details des Geschäfts werden noch verhandelt, bis Ende des Jahres soll ein Abschluss erreicht werden, was noch einige Zeit lässt, bis der endgültige Weiterbestand fixiert wird - wie auch immer dieser aussehen wird. Derzeit beschäftigt das Werk noch rund 500 Mitarbeiter.
Betrachtet man den gegenwärtigen Zustand der Halbleiterindustrie in Deutschland, im Speziellen
Infineon,
Qimonda und
AMD, so könnte man spekulativ zu der Erkenntnis kommen, dass es sich auch für die kleinen und meist recht alten Fabs, die noch verblieben sind, nur noch um absehbare Zeitspannen bis zur endgültigen Schließung handelt. Die explodierenden Entwicklungs- und Gerätekosten fordern ihren Tribut und werden den Konsolidierungsprozess in den nächsten Jahren immer schneller vorantreiben.
[tm]